Frontschild des Wannseebahn-Versuchszuges 275 959 anläßlich des Jubiläums.

Vor 70 Jahren, am 15. Mai 1933, nahm die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft den elektrischen S-Bahnbetrieb auf der Wannseebahn sowie auf den parallelen Ferngleisen zwischen Potsdamer Bahnhof und Zehlendorf auf. Lesen Sie mehr zur Geschichte dieser Strecke im folgenden Beitrag.



Fahrplan „70 Jahre Wannseebahn“

Wannsee, Gleis 3/4
ab
12.38 Uhr
Mexikoplatz   12.45 Uhr
Zehlendorf   12.49 Uhr
Botanischer Garten   12.55 Uhr
Schöneberg, Wannseebahnsteig   13.02 Uhr
Anhalter Bahnhof, Gleis 3   13.07 Uhr
Potsdamer Platz, Gleis 4   13.08 Uhr
Friedrichstraße (Tunnel)   13.12 Uhr
Treptower Park, Gleis 1 an 13.38 Uhr

Änderungen vorbehalten.

Der Zug hält nur an den angegebenen Bahnhöfen. Fahrpreise je Fahrt: ermäßigt für Kinder von 4 bis 13 Jahren 2 Euro, Erwachsene 3 Euro. Die Fahrkarten erhalten Sie bei den Schaffnern im Zug. Die Mitnahme von Fahrrädern und Hunden im Zug sowie der Verzehr selbst mitgebrachter Speisen und Getränke ist nicht gestattet! Alle Angaben ohne Gewähr, Änderungen vorbehalten.

 

Geschichte der Wannseebahn

Vor 70 Jahren, am 15. Mai 1933, nahm die Deutsche Reichsbahn auf der Wannseebahn den modernen elektrischen S-Bahnbetrieb auf. Zwar war die Wannseebahn unter den Berliner S-Bahnstrecken eine der letzten die elektrifiziert wurden, dennoch war und ist sie - das zeigen die folgenden Fakten - (fast) immer modern, sogar innovativ für den Vorort- und S-Bahnverkehr:

  • Erstmalig wurde hier durch separate Gleise der Vorortverkehr von der Fernbahn getrennt, Grundvoraussetzung für ein dichtes und regelmäßiges Zugangebot.
  • Typisierte Aufbauten und erhöhte Bahnsteige mindern Investitions- und Betriebskosten und verbesserten den Reisekomfort.
  • Bahnhöfe großer architektonischer und städtebaulicher Qualität waren eine wichtige Voraussetzung für das geordnete Wachstum der Metropole.
  • Hier wurde erstmalig der elektrische Gleichstrombetrieb im Vororteinsatz erprobt.
  • Mit den Bankierzügen wurde ein modernes Angebot am Übergang zwischen S-Bahn- und Regionalbahnverkehrs geschaffen.
  • Die stromlinienförmigen Bankierzüge der Baureihe ET/EB 125 waren wegweisend für das Triebwagen-Design.
  • Die Elektrifizierung wurde zur Einführung verbesserter Stromversorgungseinrichtungen genutzt, u. a. einer neuen Stromschienenaufhängung.
  • Heute gibt es hier Fernbeobachtung und durchgängig modernste Kombinationssignale (Ks).


Die Wannseebahn war und ist also immer ein Vorbild für den Berliner S-Bahnverkehr.

 

Chronik der Wannseebahn

1838
Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke in Preußen zwischen Berlin und Potsdam (Potsdamer Bahn, auch Stammbahn genannt).

1874
Bau der Wannseebahn, die in Zehlendorf von der Potsdamer Stammbahn abzweigt und über die heutigen Stationen Mexikoplatz, Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee verläuft. Am heutigen Bahnhof Griebnitzsee erhält sie wieder Anschluß an die Stammbahn.

1891
Eröffnung der Neuen Wannseebahn – zwischen dem Potsdamer Bahnhof in Berlin und Zehlendorf gibt es nun zwei Gleise für den Personenfern- und den Güterverkehr (Stammbahn), zwei weitere Gleise dienen dem Vorortverkehr (Wannseebahn). Zugleich erhält der Vorortverkehr mit dem „Potsdamer Wannseebahnhof“ einen separaten Bahnhof.

1900
Elektrischer Versuchsbetrieb zwischen Zehlendorf und dem Potsdamer Wannseebahnhof, allerdings noch gemischt mit Dampfzügen.

1903
Einführung eines schnellfahrenden Zuges, der zwischen Zehlendorf und Potsdamer Wannseebahnhof nicht mehr an allen Stationen hält.

1908
Einrichtung der Bankierzüge, die – von Wannsee kommend – in Zehlendorf auf die Stammbahngleise wechseln und direkt zum Potsdamer Bahnhof fahren.

1932/33
Die Waggonindustrie liefert an die Deutsche Reichsbahn (DR) eine Serie von 49 Viertelzügen der Bauart 1932 (Bauart Wannseebahn), die sich weitgehend an die zuvor ausgelieferte Großserie der Bauarten 1927-30 anlehnt (1276 Wagen der Bauart Stadtbahn). Deutliche Unterschiede sind die glatte Außenhaut aufgrund versenkt angebrachter Niete und das elektromotorisch betätigte Schaltwerk statt eines elektropneumatischen. Nach dieser Serie beschafft die Deutsche Reichsbahn 1933 zwei weitere Viertelzüge (Bauart 1932 a), die als Versuchträger u. a. für eine Fußbodenheizung dienen. Neue Wege beschreitet man im Fahrgastkomfort: Für mehr Beinfreiheit in der zweiten Wagenklasse ändert man den Wagengrundriß und erweitert dort die Abteile um je zehn Zentimeter. Der Verein Historische S-Bahn und die S-Bahn Berlin GmbH bewahren einen Versuchstrieb- und einen Serienbeiwagen als betriebsfähigen Viertelzug im Einsatzzustand der 70er Jahre auf (275 959/954). Foto von der Fahrzeugaustellung 2001

 


1933

Fertigstellung der Elektrifizierung der Wannseebahn sowie der Stammbahngleise zwischen Zehlendorf und Potsdamer Bahnhof; Aufnahme des elektrischen S-Bahnbetriebes am 15. Mai 1933. Eröffnung des S-Bahnbetriebswerkes Wannsee (S Bw Ws) zum Abstellen und Warten der Züge.

1935/36
Auf der Basis des Wannseebahn-Versuchszuges (Bauart 1932a) entwickelt die Waggonindustrie einen Probezug aus vier Viertelzügen (acht Wagen, Bauart 1934), die erstmals 1935 auf der Ausstellung „100 Jahre Deutsche Eisenbahn“ in Nürnberg gezeigt werden. Von allen bisher gelieferten S-Bahnwagen unterscheiden sie sich durch ihre runde Frontpartie, die ihnen Dynamik und Eleganz verleiht, sowie durch ihre Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde. Anläßlich der Olympischen Spiele 1936 bestellt die Deutsche Reichsbahn weitere 44 Viertelzüge, von denen 34 als sogenannte „Olympiazüge“ für 80 km/h geliefert werden (Bauart 1935) und weitere zehn als sogenannte „Bankierzüge“ für 120 km/h (Bauart 1935a) fortan die elektrifizierten Ferngleise Potsdamer Bahnhof-Zehlendorf ohne Halt in nur zehn Minuten befahren. Historische S-Bahn e.V. bewahrt den Prototyp-Viertelzug 276 031/2 auf (ex. ET/EB 125 003). Foto von der Fahrzeugaustellung 2001



1939
Ab 1. Oktober 1939 Einführung der Wannseebahn in den fertiggestellten Nordsüd-S-Bahntunnel. Die Züge verkehren seitdem nach Oranienburg. Die Bankierzüge enden weiterhin im Potsdamer (Fern-) Bahnhof. Fahrpläne zum Herunterladen am Ende des Beitrags.

1945
Flutung des Nordsüd-S-Bahntunnels kurz vor Kriegsende. Am 6. Juni 1945 verkehrt auf dem Abschnitt Wannsee-Schöneberg erstmalig nach Kriegsende wieder eine S-Bahn in Berlin. Wegen des zerstörten Tunnels verkehren die Wannseebahnzüge ab August 1945 zunächst zum Potsdamer Ringbahnhof. Die Bankierstrecke wird nicht wieder in Betrieb genommen – die dort gewonnenen Isolatoren und Stromschienen nutzt man, um Kriegsschäden zu reparieren; in den 50er Jahren baut die Reichsbahn die stärkeren Motore aus den Bankierzügen aus.

1946
Wiederinbetriebnahme des Nordsüd-S-Bahntunnels für die Wannseebahnzüge bis zum Bahnhof Friedrichstraße am 27. Juli 1946.

1947
Vollständige Wiederherstellung des Nordsüd-S-Bahntunnels.

1948
Elektrifizierung des nicht demontierten Streckenabschnittes Zehlendorf-Düppel-Kleinmachnow der Stammbahn. In Zehlendorf besteht Anschluß an die Wannseebahn.

1961
Nach dem Mauerbau enden die Züge aus Wannsee nicht mehr in Oranienburg sondern innerhalb des West-Berliner Stadtgebietes in Frohnau.

1980
Vom 17. bis 26. September streiken die West-Berliner Eisenbahner für mehr Lohn und die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Nach umfangreichen Entlassungen und Kündigungen fehlt der Deutschen Reichsbahn das Personal, um das S-Bahnnetz im gleichen Umfang weiterzubetreiben. Die Wannseebahn wird stillgelegt; ein Gleis dient internen Überführungsfahrten.

1981/82
Mit vielfältigen Aktivitäten fordern Bürgerinitiativen und einzelne Politiker den Senat auf, kurzfristig mit der DR über die Wiederinbetriebnahme der stillgelegten S-Bahnstrecken – insbesondere der Wannseebahn – zu verhandeln.

1983
Vor dem Bahnhof Lindenthaler Allee (heute Mexikoplatz) feiern tausende Berliner „50 Jahre elektrifizierte Wannseebahn“ und unterstreichen damit die Forderung, das umwelt- und stadtverträgliche Verkehrsmittel nicht aufzugeben.

1984
Nach kurzen Verhandlungen mit der DR übernimmt am 9. Januar 1984 der Senat den S-Bahnbetrieb in West-Berlin. Der BVG wird die Betriebsführung übertragen.

1985
Am 1. Februar wird die Wannseebahn wieder in Betrieb genommen. Das vom Senat angestrebte 71 Kilometer-Netz aus den Strecken Friedrichstraße—Wannsee, Lichtenrade—Frohnau und Wannsee—Anhalter Bahnhof ist damit zunächst komplett. Vorrang vor weiteren Inbetriebnahmen soll die Modernisierung des Bestandes haben.

1988
Erste angekündigte Eröffnung des neuen Bahnhof Kolonnenstraße an der Julius-Leber-Brücke in Schöneberg. Bis heute bleibt diese wichtige Station aber nur eine Ankündigung.

1994
Am 1. Januar 1994 geht die Betriebsführung der West-Berliner S-Bahnstrecken an die Deutsche Reichsbahn zurück, die sich gleichzeitig zur Deutschen Bahn AG verwandelt. In der wiedervereinigten Stadt ist nun auch die S-Bahn wieder in einer Hand. Im Rahmen vertraglicher Vereinbarungen versehen aber weiterhin viele BVGer ihren Dienst bei der S-Bahn. Am 1. Januar 1995 wird die S-Bahn Berlin GmbH als hundertprozentige Tocher der Deutschen Bahn AG gegründet.

2003
Vorläufiger Abschluß umfangreicher Erneuerungsarbeiten an Gleis- und Signalanlagen durch die Deutsche Bahn AG. 70. Jahrestag der Aufnahme der elektrischen Betriebsführung am 15. Mai 2003.

Text: Udo Dittfurth – Berliner S-Bahn-Museum, Mathias Hiller – Historische S-Bahn e.V.


Die Wannseebahn-Chronik als PDF-Datei (88kB).

Als kleinen Leckerbissen können Sie sich hier zwei Fahrpläne im PDF-Format aus dem Jahr 1939 ansehen (besten Dank an Wolfgang Heuser).

  GIF PDF
Bankierzüge Berlin Potsdamer Fernbahnhof—Wannsee und zurück sowie letzte Züge auf der Stadtbahn
Velten—Nordsüd-S-Bahn—Potsdamer Platz

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