Halbzug der Bauart 1937 übergeben – Ein Schmuckstück für Sonderfahrten und Charterverkehr

Nach nunmehr zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde am 2. Februar 2002 der fertige Halbzug der BR 167 dem Verein übergeben. Die vier Wagen sind in der Hauptwerkstatt Schöneweide nahezu vollständig wieder aufgearbeitet worden. Dieses Schmuckstück dokumentiert die S-Bahngeschichte der späten 30er Jahre und steht ab sofort der Öffentlichkeit für Sonder- und Charterfahrten zur Verfügung.


Bislang gibt es im Traditions- und Museumsfahrzeugpark nur Wagen mit eckigen Gesichtern. Um auch eine der typischen "Rundschnauzen" betriebsfähig zeigen zu können - immerhin war die ab 1938 gelieferte Baureihe 167 die zweite große Altbauserie -, beschlossen die S-Bahn Berlin GmbH und unser Verein im Jahr 1998, vier Wagen der BR 167 aufzuarbeiten. Damals begann eine Spendenaktion, die viel Geld in die Kassen spülte. Der 1991 gegründete Verein bewahrte zwei nicht modernisierte Viertelzüge (Baujahre 1938 und 1939) auf, die ab Mai 1998 von den Mitarbeitern der Hauptwerkstatt sehr gründlich und mit viel Liebe zum Detail aufgearbeitet wurden. Steigen Sie ein! Vieles wird so sein, wie Sie es vielleicht noch kennen - oder wiedererkennen. Und manches wird komfortabler sein, als es die Jahreszahl 1938 vermuten läßt.

Schmuckstück: Der Halbzug der Baureihe 167
Das edle Schmuckstück der Baureihe 167: Die dreigeteilte Stirnfront mit ihren eleganten Rundungen gibt dem Wagen sein typisches Gesicht. Vorn steht der Viertelzug im Anlieferungszustand von 1938 mit dem Triebwagen 3839 (3. Klasse Nichtraucher) und dahinter Beiwagen 6401 mit den Abteilen 3. Klasse Raucher (gelbes Fensterband) und 2. Klasse Nichtraucher (blaues Fensterband). Auf dem schwarzen Mittelgurt ist ein zusätzlicher gelber Zierstreifen aufgetragen. Im Hintergrund steht Viertelzug ET/EB 167 072 im Zustand der 60er-Jahre. Foto: Walied Lorenz

2. Klasse im Beiwagen 6401
Fast so schön wie ein Wohnzimmer wirkt das liebevoll restaurierte Abteil 2. Klasse mit der größeren Beinfreiheit. Die Wände sind mit edlem Mahagoni getäfelt und die bequemen Polster mit hellbraunem Velours überzogen. Weiches Glühlampenlicht aus glockenförmigen Deckenleuchten tauchen beide 30er-Jahre-Wagen in eine warme Atmosphäre und das Gepäck fand damals in geknüpften Netzen Platz. Foto: Jochim Donath

Blaue Polster im ET/EB 167 072
Noch vor wenigen Jahren waren blaue Polster Alltag - jetzt sind sie aus dem Planeinsatz verschwunden. Gemeinsam mit den weißen Sprelacartwände lassen sie im Viertelzug ET/EB 167 072 den nüchtern-modernen Charme der 60er Jahre völlig neu aufleben. Natürlich fehlen Armlehnen ebensowenig wie Fensterbretter und die typischen Abfallbehälter. Neu war damals das durchgehende Leuchtstoffröhrenband an der Decke. Foto: Joachim Donath

2. Klasse im Beiwagen 6401
Der Beiwagen 6401, der die Zwei-Klassen-Gesellschaft von 1938 widerspiegelt. Im blauen Teil befindet sich die zweite Klasse, im beigen Teil die dritte Klasse. Foto: Joachim Donath

Helle Escheholzbänke in der 3. Klasse
Hier im Abteil der 30er-Jahre in der dritten Klasse zeigt sich ein deutlicher Kontrast der hellen Escheholzbänken zu den plüschigen Velourspolstersitzen in der zweiten Klasse. Foto: Joachim Donath

Totmannknopf im Triebwagen 3839
Der „Totmannknopf“ im 3839: Schlicht im Design, aber dennoch edel. Foto: Joachim Donath

Links original, rechts modernisiert
Deutlicher Unterschied: Links ist ET 167 072 mit der klassischen dreigeteilten Stirnfront. Rechts ist die modernisierte Variante der BR 477 (477 152-3 ex ET 167 172), die noch bis 2003 im Einsatz sein wird. Foto: Walied Lorenz

Die Baureihe 167 (Bauarten 1937, 1939 und 1941) greift mit ihrer runden Stirnfront das elegante Design der Bankier- und Olympiazüge (Bauarten 1934 und 1935) auf. Jedoch ist bei den ab 1938 gelieferten Zügen die Elektrik wesentlich verfeinert worden. Unter anderem können sie mittels einer Kontaktleiste über der Scharfenbergkupplung (Schaku) automatisch die elektrischen Steuerleitungen kuppeln. Äußerlich fallen sofort die Aluminiumrahmen auf – im Zeitalter der sogenannten Heimstoffe wurde Messing eingespart.

Die Bauart 1937/41 stand immer im Schatten des legendär gewordenen Stadtbahners (BR 165, später 475) oder der Kleinserien exklusiver Bankierzüge – für 120 km/h! – und Olympiazüge, mit denen sie im Aufbau der Wagenkästen und des äußeren Erscheinungsbildes stark verwandt war. Sie markiert den letzten Entwicklungsstand im deutschen Triebwagenbau vor dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1943 lieferte die Industrie rund 200 Viertelzüge ab (seit 1942 als Baureihe 167 bezeichnet). Der Krieg erzwang zunächst einen Auslieferungsstop und später das Ende der Fertigung. In den 70er Jahren begann die Deutsche Reichsbahn die inzwischen als Baureihe 277 bezeichneten Wagen großzügig zu modernisieren und bezog dabei auch die Bankier- und Olympiazüge ein.

Machen Sie sich auf den folgenden Fotoseiten selbst ein Bild von der feierlichen Übergabe und der anschließenden Jungfernfahrt bei angenehmen 17 Grad Celsius an diesem ersten Sonnabend im Februar 2002.

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